Die treulosen Juden
NU - Ausgabe Nr. 31 (1/2008)
Der Zweierkommentar von Erwin Javor und Peter Menasse
Menasse: Was sagst du dazu, dass der
Papst bei der Ostermesse die Fürbitte
für die treulosen und verblendeten
Juden wieder eingeführt hat? Er macht
sich Sorgen, dass unser Herz nicht
genügend erleuchtet wäre.
Javor: Na bitte, endlich kümmert sich
jemand um mich. Ich habe so viele
Probleme, da kann ich Fürbitten schon
gebrauchen. Allein das Parkplatzproblem
in der Innenstadt.
Menasse: Nein, da geht es ja um
was Anderes. Nachdem die Katholiken
massenhaft aus der Kirche austreten,
suchen ihre Chefs jetzt neue Mitglieder
für den Verein. Und da möchte halt der
Papst den „Schleier von unserem Herz
nehmen.“ Er meint damit, wir sollten
beitreten.
Javor: Wenn es um Herzprobleme geht,
wende ich mich lieber an Professor
Maurer vom AKH. Da brauche ich
nicht beten und fasten, wenn ich einen
Schleier am Herzen habe. Der ist tolerant.
Menasse: Ich finde, die Rabbiner sollten
sich nicht über den Papst aufregen,
sondern eine Gegenfürbitte
einführen. Wir dawenen einfach, dass
die Christen sich besinnen und zum
Judentum übertreten sollen. Auge um
Auge, Rosenkranz gegen Rosenkranz.
Javor: Das ist wieder typisch für dich
orthodoxen Atheisten. Keine Ahnung
von der Religion, aber groß reden.
Im Judentum ist doch missionieren
streng verboten. Erstens bleiben wir
gerne unter uns, und ehrlich gesagt,
so attraktiv ist es auch wieder nicht, ein
Jude zu sein.
Menasse: Die Moslems sind da ganz
anders. Die beten nicht für uns und
wollen auch nicht, dass wir zu ihnen
übertreten. Nix mit Schleier und
Fürbitte. Man könnte sagen, ganz im
Gegenteil.
Javor: Also du kennst dich bei Religion
wirklich nicht aus. Natürlich wollen
uns die Moslems bekehren, notfalls mit
dem Schwert. Die würden sogar den
Papst nehmen, wenn er sich denn nur
von ihnen retten ließe.
Menasse: Eines der brennenden
Probleme der katholischen Kirche ist ja
auch, dass sämtliche Ministranten später
an die österreichische Bundesregierung
verloren gehen.
Javor: Also wenn das so ist, muss man
sagen, dass das nicht eben eine friedfertige
Religion zu sein scheint. In der
Regierung geht es ja zu, wie seinerzeit
bei den Kreuzzügen. Nur brutaler.
Menasse: Vielleicht würde es was nützen,
wenn Kanzler und Vizekanzler in
diesen Mädchengewändern, die sie bei
Messen verwenden, beim Ministerrat
säßen und ein subalterner Beamter
einen Weihrauchkessel schwenken
würde. Da könnten sie dann einfach
nicht mehr streiten. Das hätte so eine
beruhigende, sakrale Wirkung auf die
Teilnehmer.
Javor: Ich bin nicht sicher, ob das
wirken würde. In der Knesset sind
gerade die Religiösen am aggressivsten.
Und bei den Moslems sind die
gläubigen Politiker ja auch nicht gerade
Friedensengel.
Menasse: Was kann man also machen,
damit sich unsere Politiker wieder vertragen.
Das ist ja auch der größte
Herzenswunsch der „Kronen Zeitung“.
Javor: Man könnte sich ein Beispiel am
Zentralkommittee der seinerzeitigen
KPdSU nehmen. Dort haben sich alle
gut vertragen. Zumindest nach außen
hin.
Menasse: Ja, der Dichand wäre dann
der Chefideologe. Die Zeitung wird
von „Krone“ auf „Prawda“ umbenannt
und verkündet die Wahrheit nicht wie
bisher an die halbe Bevölkerung, sondern
per Dekret gleich an die ganze.
Javor: Die wirkliche Lösung für Hader
und Zwist kommt ja jetzt im Juni.
Wir feiern die EURO und werden alle
Brüder.
Menasse: Ja ich sehe es schon vor
mir, wie die katholischen Polen und
Kroaten sich innig mit den evangelischen
Deutschen und den moslemischen
Türken zu einer friedvollen
Demonstration des Völker verbindenden
Sports vereinen werden.
Javor: Das wird ein echter interkonfessioneller
Liebestaumel. Nur die Juden
fehlen.
Menasse: Ja, aber nur weil mich der
Hickersberger wieder nicht aufstellen
wird. Und du wirst sehen, so wird
Österreich auch nicht Europameister.
Da kann selbst der 16. Benedikt nicht
mehr helfen.