Wird Martin Graf unser Oberrabiner?
NU - Ausgabe Nr. 36 (2/2009)
Der Zweierkommentar von Erwin Javor und Peter Menasse
Menasse: In deinem Kommentar im NU behauptest du, dass alle
Themen mit uns Juden zu tun haben. Ich mag das aber nicht. Immer der
hendlbrüstige Kasperl Strache, der sich im Comic als Superman darstellen
lässt. Es ist schon genug damit. Kennst du nicht irgendeinen neuen Witz
und bitte keinen mit Juden?
Javor: Gerne, gerne. Treffen sich zwei Chinesen. Sagt der Kohn zum Grün ...
Menasse: Jetzt hör aber auf. Kannst du nicht einmal
vernünftig bleiben. Reden wir zum Beispiel einmal über die diversen
österreichischen Spione, die letzthin enttarnt worden sind. Von
Schulmeister über Molden bis Zilk. Lauter junge verwegene Burschen.
Javor: Das mit Zilk hat echte Substanz. Dagmar Koller hat
ihn gebeten auf Spion zu machen, weil sie eine Rolle als „Bond-Girl“
verkörpern wollte. Sozusagen Mata Hari aus Kärnten.
Menasse: Ja, so ist es. Hier bei uns schauen sie alle
immer ganz anders aus. Ursula Andress heißt es draußen, Dagmar Koller
hierzulande, George Clooney oder Brad Pit anderswo, Stracherl in
Österreich, da kann man nur sagen: Es lebe der kleine Unterschied.
Javor: Jetzt bist es aber du, der wieder den Strache ins
Spiel bringst. Übrigens die beiden, Koller und Strache, verbindet was:
Beide haben es mit dem Kreuz.
Menasse: Der Strache hat das Kreuz ja nur ins Publikum
gehalten, weil er die Vampire vertreiben wollte. Ob so einer dann auch
Knoblauch aufhängt?
Javor: Knoblauch sicher nicht. Das ist doch ein Symbol für
uns Juden. Du kennst doch die Propaganda von denen: „Knoblauch und
Weihrauch regieren die Welt.“
Menasse: Was sagst du übrigens zum Ausgang der EU-Wahl?
Javor: Das Ergebnis war zu erwarten – und daher sind jetzt alle total überrascht.
Menasse: Stimmt. Obwohl alle Oberlehrer des Landes zur Wahl aufgerufen haben, ist kaum einer hingegangen.
Javor: Das BZÖ ist ganz schön abgestunken. Die können nur
in Kärnten gewinnen. Dort ist ihr Erfolgsrezept, dass sie die
Heimatpartei sind. Kärnten gegen den Rest der Welt.
Menasse: Das wäre überhaupt eine Idee. Jedes Bundesland
hat seine eigene Partei und man könnte sich die Landtagswahlen ersparen.
In Niederösterreich heißt sie „ÖVP for ever“, in Wien „Rot bis in den
Tod“ und die anderen müssen sich halt auch was einfallen lassen.
Javor: Die Oberösterreicher kriegen den Stracherl, weil
sie so bieder national sind, die Salzburger haben ihre Mozart-Partei, in
Tirol dürfen sie die Andreas-Hofer-Zukunftsgruppe einrichten und die
Vorarlberger werden ausgeschieden, weil sie „too small for the
parliament“ sind.
Menasse: Bleiben die Steirer mit der
„Wir-sagen-stets-das-Gegenteil-Partei“ und die Burgenländer mit der
Gruppe „Der Rotwein macht uns Rotsein“. Was das Geld erspart, wenn wir
nicht mehr wählen müssen. Und alle diese dummen, nichts sagenden
Scheinargumente.
Javor: Ja, so wie der Slogan vom Stracherl gegen die Aufnahme Israels in die EU.
Menasse: Der war ungefähr von der gleichen Qualität wie die Forderung: „Nein zu Muzicants Beitritt bei der Burschenschaft Olympia.“
Javor: Oder „Nein zu Martin Graf als Oberrabbiner“.
Menasse: Die beiden wollen sich ja angeblich versöhnen, Graf und Muzicant.
Javor: Ja, aber nur, wenn Graf der Forderung von Muzicant nachkommt, aus der Burschenschaft auszutreten.
Menasse: Das verweigert er sicher. Dann würden ihn doch nicht die ganze ÖVP und die halbe SPÖ wieder zum Nationalratspräsidenten wählen.
Javor: Ach wie schön, dass wir es endlich geschafft haben, beim Dajgezzen vollkommen ohne Politik und jüdische Themen auszukommen.